Hobbyzucht von Skorpionen
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Persönlicher Reisebericht

Persönlicher Reisebericht: Marokko Sommer 2014

Im Sommer 2014 reiste ich mit meinem Freund Carlos T. abermals in das wunderschöne Marokko, um die dortige Skorpionfauna unter die Lupe zu nehmen. Diesmal führte uns unsere Reise mit einem Hyundai Santa Fe durch den Süden des Landes und in den Hohen Atlas.
"Aber warum wieder Marokko?" möge man sich nun Fragen, doch das ist leicht zu beantworten. Für mich ist es ja bereits das dritte mal und für Carlos das zweite mal dort, doch jede noch so kleine Ecke dieses vielfältigen Landes bietet neue Eindrücke, andere Tier- und Pflanzenarten und es ist immer wieder ein besonderes Erlebnis auf die Menschen und ihre Kultur dort zu treffen.
Wieder einmal gelang es uns, trotz einiger "Niederlagen",  interessante Skorpione zu finden, interessante Fakten über ihre Lebensweise aufzudecken, die Natur dort zu erleben und eine Menge netter Menschen kennen zu lernen.

Nun folgt abermals die Digitalisierung und Ausformulierung des von mir dort geführten Tagebuches. In diesem Teil gehe ich wieder auf die persönlichen Erlebnisse dieser Reise ein. Folgen werden dann die Habitatbeschreibungen.


Tag 1 - Anreise nach Agadir

Der Flug gestaltete sich wieder als völlig problemlos. Den Flug bestritt ein guter Freund von Carlos als Co-Pilot - jener hatte extra seine Schicht getauscht um uns hinzufliegen - und so hatte Carlos das Vergnügen bei Start und Landung im Cockpit zu verbringen. Ich habe den Großteil des Fluges, wie immer, einfach verschlafen.
In Agadir gingen wir sofort zum Schalter von Europcar, um unseren im Vorfeld gebuchten Geländewagen in Empfang zu nehmen. Dies gestaltete sich bei der letzten Reise ja eher als schwierig und wir waren letztendlich froh, als wir ohne Zwischenfälle zu unserem Wagen auf den Parkplatz geführt wurden. Hier endete unsere kurze Glückssträhne: Anstatt einen Geländewagen vorzufinden, stand dort ein Hyundai Santa Fe, also eine Familienkutsche. Die Klausel zum Model "...oder ähnlich" lässt dort scheinbar alle Optionen offen. Das wäre nun nicht das Schlimmste gewesen, wenn dort nicht zwei dicke Löcher in einem der Reifen gewesen wären. Unfassbarerweise wollte man uns mit einem Reifen, aus welchem das Innenfutter schon herausquillt, in die Sahara schicken: Welcome to Africa!

Der Bedienstete am Flughafen konnte nur mit den Schultern zucken und uns auf die Hauptstelle in Agadir verweisen, welche natürlich dank Ramadan erst um 9:00 Uhr des nächsten Tages aufmacht. Zähneknirschend fuhren wir daraufhin in das zuvor gebuchte und gute Hotel "Anezi Tower" um hier vorerst das letzte mal üppiges Essen und saubere Zivilisation zu genießen.


Tag 2 - Der holprige Start in unser Abenteuer

Der Morgen kam nur allzu früh und nach einem reichhaltigen Frühstück machten wir uns auf den Weg zur Hauptstelle von Europcar. Da wir natürlich viel zu früh dran waren, erlaubten wir uns einen kleinen Blick in das Habitat im Norden von Agadir, welches mir schon von meiner ersten Reise nach Marokko bekannt war.
Es war nicht schwierig dort auf die ersten Skorpione unter den Steinen zu treffen. Es handelt sich dabei um Hottentotta gentili der Zentralklade, welche es dort in recht großer Zahlt gibt.
Zu 9:00 Uhr fuhren wir dann zu Europcar in der Hoffnung auf baldige Lösung unseres Reifenproblems. Die äußerst Sachkundige Angestellte dort, hatte natürlich keinen blassen Schimmer was zu tun sei und gefühlten hundert Telefonaten später und nach einigen Diskussionen, schickte man einen Mechaniker zur Begutachtung und Lösung des Problems.
Dieser äußerst kompetente Mann, bot uns dann an den Ersatzreifen zu montieren und uns mit dem dann kaputten Ersatzreifen in die Wüste zu schicken. Da wir endlich los wollten, wir schon einiges an Zeit verloren hatten und einfach nur angepisst waren, willigten wir ein. Gesagt - getan! Der kaputte Reifen wurde abmontiert und der Ersatzreifen unter dem Wagen hervorgeholt und Arschlecken. Der Reifen war nämlich noch kaputter! Das wäre eine grandiose Überraschung beim Reifenwechsel in der Wüste geworden.
Der gute Mann telefonierte auch noch einige hundert mal und willigte dann ein uns zwei ganz neue Reifen in der Werkstatt zu montieren. Da dies natürlich auch wieder rund zwei Stunden dauerte, nutzen wir die Zeit um schon mal im Laden nebenan Wasser und Proviant zu kaufen.
So ist es nicht verwunderlich, dass wir geradezu in das Auto flogen, als es startbereit zurück war, um uns dann in Richtung Ait Baha auf den Weg zu machen.
Weit hinter Ait Baha lag unser Ziel für diesen Tag.

So fuhren wir mit nur wenigen Pausen an Ait Baha vorbei, nur um letztendlich vor einer Straßensperre wegen Bauarbeiten wenige Kilometer vor unserem Ziel zu stehen. Die Umleitung führte Richtung Tioulit unzählige Kilometer an unserem Ziel vorbei. Als wir dann wieder die richtige Straße erreichten, standen wir aber mal vor einer Absperrung. Die Frage lautete: "Was nun?"

Ein ansässiger Ladenbesitzer und ein nettes Pärchen zeigten uns dann eine alternative Route durch die Berge, welche wir direkt anfuhren. Dabei handelte es sich um eine grauenhafte Straße, die unseren "Geländewagen" nah an seine Grenzen brachte. Doch nach einigen Kilometern kamen wir dann einfach mitten in der Baustelle auf die Straße, nu um festzustellen, dass dort gar nicht gearbeitet wurde und die ganze Strecke befahrbar ist. Wir hätten uns diesen Umweg also sparen können. Doch wir waren froh, endlich angekommen zu sein und suchten uns einen schönen Platz, um die Nacht im Zelt zu verbringen. Die Suche im Hellen war nahezu erfolglos, sodass wir es nach einer Portion Chinanudeln vom Esbitkocher im Dunkeln nochmal versuchten.

Doch ließ sich hier leider nichts anderes als ein paar Buthus Männchen finden. Ich suchte noch eine Stunde weiter, während Carlos zu Bett ging, doch auch das brachte mir keinen Erfolg, sodass ich dann aufgab und diesen nervenaufreibenden Tag im Zelt beendete.



Tag 3 - Ein Tag im Umluftbackofen.

Am nächsten Morgen waren wir früh auf den Beinen. Nach einem spärlichen Frühstück, einer Katzenwäsche und mit verschlafenen Blick machten wir uns alsbald wieder auf die Reise durch den Anti-Atlas mit dem Ziel Ifrane Atlas Sagir.

Das Klima im Anti-Atlas war trotz sommerlichen Temperaturen durchaus erträglich mit Temperaturen um 30°C. Leider war die Suche auf dieser Strecke wenig ergiebig, was scheinbar mit der Jahreszeit zusammen hängt. Da wir dieses Gebiet schon letztes Jahr abgefahren haben, fällt im Vergleich direkt auf, dass sich die Skorpione im Herbst deutlich einfacher finden lassen. Scheinbar flüchten viele vor der sommerlichen Hitze tiefer ins Erdreich.
Letztendlich in Ifrane Atlas Sagir angekommen beschlossen wir weiter nach Icht, bei Foum-el-Hassan zu fahren und uns somit eine weitere Nacht für erfolgversprechendere Gebiete aufzusparen.
Der Weg nach Icht führt aus dem Anti-Atlas hinnaus in die flacheren und sandigeren Saharagebiete. Icht selbst liegt in einem schlauchförmigen Gebiet zwischen zwei Gebirgszügen. Im Gegensatz zum Anti-Atlas war es hier furchtbar heiß, irgendwas zwischen 35-40°C, und ein starker Wind fegte durch das schlauchförmige Tal. Ich hatte das Gefühl in einem Umluftbackofen rumzulaufen. Besonders stark war der Kontrast, wenn man aus dem klimatisierten Auto ausstieg - ein Gefühl, wie ein Schlag ins Gesicht.
In Icht gibt es einen großen, relativ luxuriösen Campingplatz. Man hat dort die Möglichkeit in dem ummauerten Gelände entweder auf Matten unter einer Plane, im Zelt oder in kleinen Bungalows zu übernachten.

Wir entschieden uns für einen unangenehm warmen, aber sauberen Bungalow zu recht hohem Preis von ca 400 Dirham inklusive Essen. Carlos gönnte sich ein kleines Mittagsschläfchen und ich versuchte mein Glück unter den Steinen in der Umgebung. Doch ist in diesem lebensfeindlichen Gebiet unter den heißen Steinen nicht viel zu finden. So kehrte ich zum Abendessen zurück, duschte schnell und anschließend genossen wir eine sehr gute Tajine mit Hähnchen und Gemüse mit einem hervorragenden Tee.

Als dann die Dämmerung einsetzte machten wir uns auf die Suche mit der Schwarzlichtlampe. Wir konnten einige Androctonus aus dem "amoreuxi Komplex" ausfindig machen. Nachdem wir einen größeren Rundgang in diesem Gebiet hinter uns hatten, kehrte Carlos zum Campingplatz zurück, während ich noch eine weitere Stunde durch das Gebiet streifte und dabei eine Folge der Sherlock Holmes Hörbücher genoss. So kam es, dass mir bei der Suche im Licht der Schwarzlichtlampe ein S-Förmiger Ast zwei Schritte vor mir auffiel. S-Förmige Äste sind an sich schon recht selten, aber besonders ungewöhnlich sind diese in der Wüste. Um meine Ahnung zu bestätigen, setzte sich besagter Ast in Bewegung und entpuppte sich als rund 50cm lange Hornviper. Zwei unbedachte Schritte weiter hätte ich drauf gestanden. Sofort suchte ich mir einen stabilen Ast, um das Tier für ein Foto einzufangen - versucht mal in der Wüste einen stabilen graden Ast aufzutreiben! Das Tier verschwand in einem unzugänglichen Dornenbusch, als ich dann mit meiner Ast-Trophäe wiederkehrte.
Den Weg zurück zum Campingplatz beging ich mit deutlich mehr Aufmerksamkeit und Bedacht. Nur um dann vor verschlossenem Tore dazustehen. Da mir eine Nacht in der Wüste zwischen Hornvipern und Androctonus als wenig erstrebenswert erschien, suchte ich mir eine flachere Stelle der Mauer und kletterte, wie ein Einbrecher, zurück in die Anlage. Sodenn huschte ich gleich ins Bett, denn es geht ja früh wieder los.


Tag 4 - Solifugen statt Skorpione.

Der Tag begann mit einem mehr als reichhaltigen französisch-marokkanischen Frühstück: Ei, Fladenbrot, Olivenöl, Marmelade, Kaffee, Tee, Saft und seltsamerweise auch Kuchen. Im Anschluss brachen wir mit vollem Magen nach Assa auf. Der Weg nach Assa war absolut trostlose und lebensfeindliche Schotterwüste.

Lediglich ein paar Kamele und vereinzelte Bäume säumten den Weg. Wir nutzten die Fahrt durch Assa, um uns schonmal das für den nächsten Tag angestrebte Hotel Ausschau zu halten. Der verschlafene Besitzer erklärte uns dann, dass das Hotel zu Ramadan geschlossen sei und verwies uns auf kleinere Übernachtungsmöglichkeiten in der Altstadt. Die Altstadt von Assa ist ein abenteuerliches verwinkeltes Wirrwarr aus halb verfallenen Häuschen auf einem Hügel. Es kostete uns große Mühe dort überhaupt jemanden anzutreffen, der uns ein Zimmer anbieten konnte - wenn man diese Abstellkammern als Zimmer bezeichnen kann. Optisch ähnelten diese Räume meinem Altbau-Dachboden und scheinbar wurde dort auch genauso oft geputzt - nämlich gar nicht. Trotzdem hatten diese Unterkünfte einen uhrigen arabischen Charme, sodass wir ein Zimmer für den darauffolgenden Tag orderten, was sich aufgrund Verständigungprobleme als gar nicht so leicht erwies. Doch mit Händen, Füßen, der Tochter des Besitzers am Telefon und Bruchstücken von drei Sprachen, waren wir uns relativ sicher, dies erfolgreich verständlich gemacht zu haben. Schließlich machten uns weiter auf den Weg in die Berge von Aouinet Lahna, unserem eigentlichen Ziel des Tages.

Nachdem wir Aouinet Lahna - einem recht ärmlichen Städtchen - passiert haben, sahen wir einen kleinen älteren Mann auf der Straße Richtung Berge hasten. In blauen Klamotten, mit nem Säckchen geschultert und im Eiltempo rannte der armer Kerl durch die Mittagshitze. So haben wir ihn kurzerhand einkassiert und im klimatisierten Auto mitgenommen. Er war uns furchtbar dankbar und hat uns jede Menge erzählt. Leider erschloss es uns nicht, wovon er erzählte, da er ausschließlich arabisch sprach und unser unvermögen dieser Sprache einfach ignorierte. Trotzdem schien es ein herzlicher und vollauf netter Mensch zu sein, voller Dankbarkeit, als wir ihn an seinem Häuschen ablieferten.

Tiefer in den Schluchten der Berge, waren dort nicht viele Menschen anzutreffen. Zwei Hirtenjungen, die Carlos mit Süßigkeiten beglückte, trieben eine Herde Ziegen und Schafe durch das spärlich bewachsene Tal. Bei der Erkundung der verzweigten Schluchten und kleinen Queds, kamen wir an einem Haus mit einem großen und fruchtbaren Garten vorbei.
Wir haben es uns zur Angewohnheit gemacht, Einheimische nach den Skorpionen zu fragen, da diese oft recht gut bescheid wissen. Als wir an dem Häuschen dann einen Mann und seinen Hund antrafen, fragten wir nach den gesuchten Androctonus-Arten. Prompt wurden wir dann zu einem Tee und Bananenkuchen in sein Haus eingeladen. Von außen sind die Häuser in Marokko oft sehr schlicht und unansehnlich. Als wir aber dann das Haus des Mannes betraten, wunderten wir uns wie edel es sich von Innen zeigte: Stuckdecken, edle Teppiche und Kissen und riesige Flachbildschirme. Im Gespräch erfuhren wir dann, dass es sich bei dem Mann um einen örtlichen Lehrer handelt, der aber auch viel Kontakt zu Reisenden in dem Land hat. Er bot uns an, die Nacht dort zu verbringen, doch dankend lehnten wir ab und suchten einen guten Platz um unser Zelt aufzuschlagen.

Schließlich wollten wir die Nacht mit den Schwarzlichtlampen los. Bei der Suche während des Tages fanden wir kaum Skorpione. Ein paar Androctonus "amoreuxi" und Scorpio species. Doch wesentlich beeindruckender waren riesige Solifugen der Gattung Galeodes, die mich in ihren Bann zogen. Dabei handelte es sich um gewaltige und aggressive Tiere.
Die Zeit zur Dämmerung überbrückten wir mit einem Nudelgericht aus der Tüte vom Esbitkocher und machten uns dann langsam auf den Weg zur Nachtsuche.

Dabei liefen uns wieder einige Androctonus "amoreuxi" und riesige Hottentotta gentili über den Weg. Doch auch bei der Nachtsuche waren die Solifugen das Eindrucksvollste. Auf dem Weg zum Zelt konnten wir dann eine Solifugenpaarung beobachten. Das Männchen trug das Weibchen zwischen seinen Kiefern recht brutal durch die Gegend und wir dachten, er würde das Weibchen töten und fressen, doch zu unserem Erstaunen lebte das Weibchen noch und erst im Nachhinnein begriffen wir, dass es sich um einen Paarungsakt handeln musste.
Nach dieser faszinierenden Entdeckung beendeten wir die Suche und begaben uns in unser Zelt. Die Nacht war windig und eher unruhig, sogar ein leichter Regen fiel gegen Morgen.


Tag 5 - Der kulinarische Mordanschlag.

Nach dieser unruhigen Nacht kam der Morgen wieder allzu früh.

Gerade waren wir aufgestanden, da besuchte uns der nette Lehrer an unserem Zeltplatz und lud uns zu einem traditionellen marokkanischen Frühstück ein, welche wir natürlich nicht ausschlugen. Dazu fuhren wir zu seinem kleinen Garten, in dem er uns stolz herum führte. Hier wird alles selbst angebaut: Oliven, Datteln, Getreide und das Futter für die Ziegen. So war auch das Frühstück komplett aus eigener Herstellung: Selbst gebackenes Fladenbrot aus eigenem Getreide, Olivenöl aus eigenen Oliven, Butter und Molke von eigenen Ziegen und die Minze im Tee kam auch frisch aus dem Garten.

Voller Dankbarkeit verabschiedeten wir uns und machten uns auf den Weg nach Assa. Dort hatten wir ja schon ein Zimmer vorbestellt. Dort angekommen erkundeten wir erstmal den Ort und der geringe Erfolg bei der bisherigen Suche drückte schon leicht die Stimmung, Nun bot Assa zwar eine wunderschön anzuschauende Oase voller Pflanzen und Tiere, aber auch keinerlei besondere Erfolgsaussicht auf besondere Arten, sodass wir nach einer Weile beschlossen, die Nacht dort in den Wind zu schießen und direkt weiter nach Guelmim zu fahren.

Allerdings wollten wir den Besitzer unser vorher reservierten Zimmers nicht ganz sitzen lassen, sodass wir entschieden, dort wenigstens ein tüchtiges Mittagessen zu uns zu nehmen. Der Besitzer - Ibrahim – nahm das sehr locker und willigte ein uns auf die Schnelle zu verköstigen. Das war gar nicht so einfach, denn er hatte uns erst zum Abendessen erwartet, noch nicht eingekauft und wegen dem Ramadan hatten viele Läden zu. So fuhren wir mit dem guten Burschen durch ganz Assa auf der Suche nach verwertbaren Nahrungmitteln.

Am Ende reichte es dann nur für Einen Salat mit Brot und Eiern, eine Gemüsentagjine und Obst zum Nachtisch. Trotz alle dem war auch dies sehr schmackhaft. In der Wartezeit auf das Essen, dass die Tochter von Ibrahim zubereitete, gab es traditionelle Süßspeisen und Tee. Dabei unterhielten wir uns mit einem weiteren Gast: Monhir ist Student und wird einmal Lehrer. Mit ihm sprachen wir viel über arabische und deutsche Kultur. Nach dem Essen, welches uns 350 Dirham kostete, verabschiedeten wir uns von Ibrahim und Monhir begleitete und spontan nach Guelmim, da er dort sowieso studiert. Auf der Reise dorthin setzten wir unsere Gespräche über die Vor- und Nachteile unserer Kulturen fort, sodass wir auch hier wieder neue interessante Eindrücke von dieser spannenden Kultur mitnehmen konnten. In Guelmim angekommen, zeigte Monhir uns das Hotel und verabschiedete sich herzlich.

Das Hotel in Guelmim ist schäbig und erinnerte mich an das Hotel in Tata 2013. Alles war irgendwie, wo möglich, kaputt und abgenutzt. Sauber scheint auch eher Definitionssache zu sein, aber dafür zahlten wir auch nur 200 Dirham für das Zimmer. Essen konnte man uns dort nicht anbieten. Also wuschen wir uns, erkundeten die Gegend für die Nachtsuche (Es ist wichtig, dieses im Hellen zu machen!) und warteten danach im Hotelzimmer auf die Dämmerung.

Die Nachtsuche war sehr erfolgreich und wir konnten unzählige Buthus mariefranceae finden. Nach ein paar Stunden gingen wir dann zum Auto zurück und wunderten uns, da dort ein Junge mit einer Taschenlampe um unser Auto schlich. Das Auto hatten wir zuvor vor einen Hauseingang gestellt, damit keiner der nächtlichen marokkanischen Kamikazefahrer da im Dunkeln reinfährt. Nur Verständlich, dass sich die Anwohner des Hauses wunderten. Wir gingen direkt zu dem Burschen und erklärten ihm, dass wir Skorpione suchen. Dieser lud uns augenblicklich zum Tee in sein Haus ein. Ich wollte grade ablehnen, da sagte Carlos „Ja, klar!“ und das sollte sich als Fehler herrausstellen!

Dieses Ereignis muss ich in aller Tragweite ausführen, da es doch die intensivste und kurioseste Erinnerung an diesen Urlaub bleibt: Wir wurden sogleich in einen Betonrohbau ohne Putz, ohne Strom und ohne fließendes Wasser geführt. Alles wurde nur durch Taschenlampen oder Kerzen erhellt und man platzierte uns im Wohnzimmer … oder sowas ähnliches. Dreckige Teppiche, alte Kissen und eine einzelne sterbende Kerze schmückten diesen Raum. Eine halbtote Katze rannte auch irgendwo in dem Haus rum und aus den Nebenräumen hörten wir Kindergeschrei und das Geschimpfe einer Frau.

Der nette Junge meinte es gut und anstatt Tee wurde erstmal ein kleiner Tisch aufgebaut und er brachte mithilfe seines Bruders jede Menge „Leckereien“. Uns wurde plötzlich ein ganzes Essen serviert: Als erstes stellte man uns eine Flasche Wasser und zwei Gläser auf den Tisch. Das Wasser war so trüb, dass man kaum durch die Flasche schauen konnte. Später stellte sich heraus, dass das Wasser dort in einem offenen Trog in einer dunklen Ecke aufbewahrt wurde und das Regenwasser vom Dach ungefiltert da reinläuft. Wenn da ne Ratte drin ersäuft, bekommt das niemand mit! Folgend kam eine Schüssel Milchreis und eine Karaffe mit Milch. Als der junge Mann dann eine Schüssel mit Honig holte, beschlossen wir schnell einstimmig, dass wir das Wasser auf Teufel komm raus nicht trinken würden, denn das hätte uns wahrscheinlich unzählige glückliche Stunden auf der Toilette beschert, sofern wir das überlebt hätten. Der Milchreis sah lecker aus und wir beschlossen das Risiko einzugehen und ihn zu probieren. Nach der Gemüsetagjine am Mittag hatten wir mittlerweile wieder richtig Hunger. Sodenn setzte der Junge sich wieder zu uns, schickte seinen Bruder wieder weg und griff beherzt mit seinen Fingern in den Milchreis, stopfte sich den Kram in den Mund und gebot uns doch auch zu essen mit den Worten: „Welcome to Morocco!“ Nundenn, die Welt gehört den Mutigen! So schaufelte ich mir einen Löffel Milchreis in eine Schale, goss etwas Milch dazu und steckte mir vorsichtig einen kleinen Löffel davon in den Mund. Meine Reaktion bestand aus einem laut ausgerufenen und völlig intuitiven „BÄH!“

Carlos schaute entsetzt, der Junge schaute noch entsetzter und ich einfach nur angewidert. Es handelte sich um lauwarmen sauren Ziegenmilchreis mit lauwarmer saurer Ziegenmilch. Derartige Produkte werden nunmal nicht besser, wenn sie bei 35°C Tagestemperatur einen Tag ungekühlt rumstehen. Ich glaube nicht, dass ich bisher was Ekelhafteres gegessen hatte. Auf Carlos Gesicht ließ sich ein Ablauf verschiedenster Gefühle ausmachen: Erst kam das entsetzen als Reaktion auf meinen lauten Ausruf des Ekels, denn das war doch zu unhöflich. Folgend ein unterdrücktes Lachen, weil die Situation so furchtbar abstrakt war. Letztlich wieder pures Entsetzen, weil ihm plötzlich klar wurde, wie ekelhaft das doch sein müsse, wenn ich so reagiere. Dank dieser Vorwarnung, probierte er etwas zaghafter, aber nicht mit weniger Ekel. Wie lässt sich so eine Situation retten? In meiner Schüssel befand sich noch eine gute Portion von dem Zeug und nach meinem Patzer wollte ich der Höflichkeit wenigstens eine letzte Ehre erweisen. Die Lösung: Honig! Honig unser Freund, der rettet alles. So beförderte ich, dem Beispiel unseres Gastgebers folgend, eine großzügige Menge Honig auf den Milchreis und startete einen weiteren versuch diese Schüssel zu leeren. Leider stellte sich dabei heraus, dass es sich dabei gar nicht um Honig, sondern um Arganöl handelte, was die ganze Sache noch schlimmer machte. Ich habe somit kläglich versagt, meine Ehre zu retten, denn ich wäre eher vor dem Zeug verhungert, als das aufzuessen. Wir entschuldigten uns mit der kleinen Notlüge, dass wir doch kurz zuvor soviel gegessen hätten und nicht in der Lage wären noch etwas zu uns zu nehmen. So wechselten wir zum Dessert: Halb vergammelte Äpfel und erstaunlich frische Honigmelone. Letztere bot sich an, den Geschmack von dem Reis zu neutralisieren. Zu guter Letzt wurde uns dann der ursprünglich angebotene Tee bereitet. Dies geschah auf einem Gaskocher, der eher einer scharfen Bombe ähnelte, aber glücklicherweise an diesem Tag nicht explodierte. Nach dem wohlschmeckenden Tee verabschiedeten wir uns, ließen einige Süßigkeiten dort und begaben uns noch ein bisschen auf die Suche. Doch da uns der Appetit redlich vergangen war, begaben wir uns recht zügig nach der Suche in Hotel, verzichteten auf ein Abendessen, duschten und verschwanden ins Bett.

 

Tag 6 – Grüße von Gonnet

Am folgenden Morgen verzichteten wir auf ein reichhaltiges Frühstück, schoben uns einen Müsliriegel rein und machten wir uns direkt auf den Weg nach Tan-Tan. Dort liegt ein aktueller Fundort von Androctonus gonneti, der uns sehr hoffnungsvoll stimmte.

Die Fahrt war an sich ereignislos und wir kamen gut durch, sodass wir zeitig mit der Suche an der ersten Fundstelle anfangen konnten. Da wir dort aber nur wenige juvenile Tiere fanden, entschieden wir uns weiter bis zur Küste nach El Ouatia zu fahren.
El Ouatia ist ein furchtbar armes und heruntergekommenes Städtchen direkt an der Küste.

Die Menschen leben dort teilweise in Bretterverschlägen inmitten von Müll und Dreck, in dem Ziegen auf Nahrungssuche umherstreifen.

Hier gab es auch die ersten Polizeikontrollen, welche aber wie gewohnt völlig Problemlos abliefen. So waren wir froh, als wir endlich auf der Piste nah an der Küste waren und dort auf die Suche gehen konnten.
Mit vollem Erfolg!

Neben einigen Androctonus gonneti fand sich sogar ein kleines Microbuthus maroccanus Weibchen. Wir waren höchst motiviert und suchten stundenlang ohne Pause weiter. Auch eine hübsche, aber sehr bissige Schlange lief mir über den Weg.

Ich finde es immer wieder verwunderlich, wie Pflanzen es schaffen, mit nichts als nur trockenem Sand auszukommen und trotzdem noch so prächtig zu blühen!

Nun planten wir eigentlich bis zu drei Nächte in der Gegend, aber da die Suche am ersten Tag so erfolgreich war, entschieden wir uns lediglich eine Nacht im Qued Draa zu verbringen und die anderen beiden Nächte anders zu nutzen. Wir fuhren dann gegen späten Nachmittag zu der geplanten Campinganlage direkt am Qued. Diese liegt mitten in der Wüste, weit abseits der asphaltierten Straßen und nach rund zehn Kilometern verloren wir schon den Glauben, dass es dort überhaupt etwas in der Richtung gibt. Die Straße dorthin ist eine Piste, mit Sanddünen, Steinen und tiefen Löchern auf dem Weg. Wir passierten zwei barfüßige Jungen mit ihrer Ziegenherde und nach rund zehn Kilometern machten wir eine alte Festung (Kzar) auf einem Felsen aus, folgend dahinter die optisch ähnliche Campinganlage. Diese war eigentlich, wie viele andere während des Ramadans, geschlossen, doch der Besitzer war nichtsdestotrotz anwesend und bot uns ein Zimmer an. Das war überraschend sauber und ordentlich, allerdings gab es aufgrund der Ferienzeit kein warmes Wasser und keinen Strom. Der Besitzer, ein netter Mann französischer Herkunft, organisierte extra seinen Koch, der zu der Zeit in Tan Tan weilte, um uns Abends und Morgens etwas zu essen bieten zu können. Das hatten wir nach so einem anstrengenden Tag aber auch bitter nötig, denn auf unserer Suche nach Androctonus gonneti hatten wir praktisch nichts gegessen. Erstaunlich war dabei auch die Qualität des Essen - wir wurden wahrhaft positiv überrascht: Als Vorspeise wurde ein riesen Topf Gemüsesuppe gereicht. Anschließend kamen wir zum ersten Mal in den Genuss einer mit allerlei Kräuter gewürzten Fisch-Tajine. Als krönenden Abschluss servierte man uns dann ein wirklich leckeres Karamel-Eier-Dessert.

So gestärkt begaben wir uns bei Einbruch der Nacht dann auf die Suche nach Hottentotta soussai. Leider wurde es erschreckend kalt, sodass wir sogar unsere Pullover überziehen mussten. In Folge dessen haben wir leider keinen einzigen Skorpion zu Gesicht bekommen und haben nach einiger Zeit und einigen Kilometern Fußmarsch, vom Qued durch die Wüste bis in die Berge, abgebrochen. Nach solch einem anstrengenden Tag war es kein Wunder, dass wir nur noch totmüde ins Bett fielen.

 

Tag 7 - Die weiße Witwe

Am folgenden Morgen starteten wir mit einem, im Vergleich zum Abendessen, mittelmäßigem Frühstück und zahlten bei dieser Gelegenheit (945 Dirham für zwei Personen).

Wir machten uns früh auf den Weg und trafen unterwegs wieder die armen und barfüßigen Jungs. Die beiden wurden prompt von Carlos reich beschenkt und gingen mit einem Arm voll Süßigkeiten und sogar Carlos´ Taschenlampe inklusive Ersatzbatterien nach Hause.

Unsere weitere Strecke führte uns hinter Guelmim durch die Berge bis nach Sidi ifni. Das Gebirge dort ist ein unfassbar riesiges Anbaugebiet für Kaktusfeigen. In dem Ausmaß hatten wir den Anbau noch nie gesehen.

Die Gegend bot uns nur Buthus- und Scorpio-Arten, aber der Ausblick auf das Meer von der Steilküste Sidi Ifnis entschädigte uns dafür.

Ohne lange Pause machten wir uns dann auf den Weg nach Bouizakarne. Dort angekommen standen wir prompt vor dem geschlossenen Campingplatz. Dort war auch absolut niemand aufzutreiben, sodass wir sehr glücklich darüber waren, dass uns ein netter junger Mann zum örtlichen Hotel führte. Nun gut, die Bezeichnung Hotel erscheint mir im Nachhinein irgendwie beschönigt. Dieses hervorragende Etablissement bot uns für 100 DH das Zimmer jeden Luxus: Die Farbe blätterte von den Wänden, in der Decke war ein Loch, Carlos´ Bett brach beinahe zusammen und die Einrichtung wurde durch eine dicke Staubschicht vor Manipulationen geschützt. Da die Bettwäsche dort wohl nicht öfter ausgetauscht wird, als die Jahrezahlen, haben wir alles mit Laken und Schlafsäcken ausgelegt. Die Gefahr von den Milben auf die Straße getragen zu werden wäre sonst zu groß gewesen. Dusche und Toilette passten sich dem Gesamtbild an und wurden komplett gemieden, aus Sicherheitsgründen.

Wir brachen zur erfolgreichen Nachtsuche auf: Massen von Buthus mariefranceae liefen uns über den Weg. Dabei handelte es sich zu circa 95% um Männchen, was doch einen netten Einblick in das Verhalten von Buthus spp gab. Viel interessanter war aber die Entdeckung einiger Latrodectus pallidus (Weiße Witwe). Das ist unseres Wissens die erste sichere Dokumentation dieser Latrodectus Art für Marokko. Besonders erstaunlich ist zudem, dass zu ihrer Beute neben großen schwarzen Käfern auch Buthus mariefranceae gehören. Diese Art hat ein besonders trickreiches System entwickelt um auch große Beute sicher fangen zu können. In circa 20 cm Höhe bringen sie ein kuppelförmiges Nest an, in welchem sie sich ständig aufhalten. Von dieser Kuppel geht ein lockeres Netz in alle Richtungen aus, wobei auch ettliche Fäden bis zum Boden reichen. Diese Fäden stehen unter Spannung und reißen sobald ein Beutetier sie berührt. Dabei schnellen die Fäden nach oben und ziehe das Beutetier mit nach oben. So landen selbst adulte Buthus mariefranceae in den lockeren Fangnetzen über dem Boden und werden von der Spinne direkt mit Klebfäden fixiert, bevor dann der tödliche Biss folgt.

Zur Belohnung gönnte wir uns anschließend eine Erbsen-Hammel-Tajine mit Fladenbrot und einem schönen Tee. Wir besorgten uns auch gleich ein paar gekochte Eier, Brot und Obst für den nächsten Morgen. Nun ließ es sich leider nicht mehr vermeiden und wir mussten die Nacht in unserem fürstlichen Hotelzimmer verbringen.

 

Tag 8 - Carlos stirbt.

Nun gut. Das war vielleicht etwas dramatisiert, aber Carlos war mittlerweile so erkältet, dass es dem Sterben recht nahe kam. Aber wir sind ja richtige Männer und lassen uns durch nichts aufhalten. Als erstes folgten wir nun aber unserem Fluchtreflex und verließen das Hotel am frühen Morgen ohne die Zähne zu putzen und ohne Frühstück. Beides holten wir dann bei der ersten Pause nach.

Unser Weg führte uns erst nach Tiznit, welches wir letztes Jahr schonmal besuchten, um uns nochmal die Androctonus (m.) bourdoni und die Buthus atlantis zu begucken. Eine längere Pause folge in der Nähe von Taroudant. Diese Gelegenheit nutze Carlos für einen Mittagsschlaf, um seiner Erkältung Tribut zu zollen. Währenddessen ging ich während einer Hörbuchfolge "Sherlock Holmes" auf die Suche und überraschte Carlos bei meiner Rückkehr mit ein paar schwarzen Androctonus. Erholt ging es dann weiter nach Aoulouz. Dies ist ein Fundort von Androctonus sergenti und wir erhofften natürlich, endlich mal einen Blick auf diese Art in freier Natur erhaschen zu können, wo wir doch schon letztes Jahr Pech hatten.

Der Ort selbst ist ziemlich arm und herunter gekommen. Der Campingplatz war natürlich geschlossen und wir wichen in das Hotel "Sahara" aus für 100DH das Zimmer. Im Gegensatz zum Hotel in Bouizakarne, war dieses erstaunlich sauber. Es gab im Dorf selbst keine Möglichkeit essen zu gehen und im Endeffekt waren wir nur eine Attraktion für neugierige Kinder. Die Suche am Tage war mehr oder weniger erfolglos. Nur ein paar Buthus sp. fanden sich unter Steinen. Abendbrot gab es dann selbstgekocht im Qued. Auch dabei wurden wir von Kindern beobachtet und flankiert. Wir gönnten uns Asiasuppen vom Esbitkocher, Papaya und Weintrauben. Die anschließende Suche bei Dunkelheit m Qued ergab gar nichts. Das Wetter war als feuchtwarm zu bezeichnen und aufgrund lauter Mücken und dem unangenehmen Klima hielten wir es sowieso nicht lange aus, bevor wir in das Dorf zurück kehrten.

Die Marokkaner sind leidenschaftliche Fußballfans und überall auf den Straßen waren Fernsehener aufgestellt, wo man gemeinsam das Spiel Deutschland - Brasilien verfolgte. Dabei fieberten die Leute leidenschaftlich mit und flippten bei dem Ergebnis von 7:1 förmlich aus. Als Fußballbanause huschte ich schnell unter die Dusche, übertönte den Krach mit einer Folge "Sherlock Holmes" und ging dann zu Bett.

 

Tag 9 - Hoch in die Berge!

Ohne ein Frühstück verabschiedeten wir uns von Aoulouz und machten uns auf den Weg über den Atlas.

Mit vielen Suchpausen kamen wir dann in eine Gegend, die scheinbar durch den Handel mit Fossilien und Kristallen geprägt wird. An einem dieser Läden hielten wir tatsächlich an, um einen Blick zu riskieren. Nicht nur die rezenten Lebewesen bedürfen unserer Aufmerksamkeit. Der Besitzer war ein älterer, aber erstaunlich fachkundiger Mensch, der sich aber auch als gewiefter Geschäftsmann entpuppte. Hier zeigt sich die Erfahrung mit anderen Touristen, welche sich darauf begründet, dass diese Strecke über den Atlas von Marrakesh und Quarzazate die einzige schnelle Verbindung zwischen diesen beiden Ballungsgebieten des Tourismus darstellt. Besonders Carlos nahm dann doch mehr mit, als eigentlich geplant. Unter anderem erstanden wir auch Safran aus lokalen Anbau. Bei dieser Gelegenheit lernten wir dann auch den Neffen des Ladenbesitzers kennen, welcher sehr gut Englisch sprach. Er erzählte uns, dass er Lehrer sei und bat uns, ihn mit in das nächste Dorf, namens Tazenakht, mitzunehmen. Auf der Fahrt bot sich uns so die Möglichkeit, eine Menge über Gott und die Welt zu reden, was ja sonst oft durch Sprachprobleme sehr erschwert wurde.

Bei einer weiteren Pause in einem sehr winzigen Ort im Grünen, trafen wir auf zwei neugierige Kinder. Nachdem wir ihnen erklärten, was wir da suchen, waren sie Feuer und Flamme! Im Eiltempo führten sie uns durch die Gegend und drehten jeden noch so kleinen Stein auf der Suche nach Skorpionen um. Kurze Zeit später umringten uns schon fünf Kinder, alle mit dem selben Eifer. So zeigten sie uns eine Stelle mit jeder Menge Buthus sp. und Scorpio sp. Leider ließ sich auch hier kein Androctonus sergenti finden. Trotzdem belohnten wir die Truppe mit 200 Dirham, welche sicherlich wenige Minuten später im nächsten Lädchen zu Süßigkeiten gemacht wurden.

Wir erklommen den Atlas bis in eine Höhe von 7100 ft, aber außer Buthus sp. fanden wir leider nichts Nennenswertes. Interessant war lediglich, dass ab circa 7000 ft plötzlich eine andere Buthus sp. zu finden war.


Hinter dem Atlas suchten wir uns dann ein nettes kleines Hotel bei Ait Ourir. Obwohl hier die Frequenz der Touristen zur Saison sehr hoch ist, waren die Zimmer zwar sauber, aber Dusche, Lichtschalter und andere Kleinigkeiten kaputt. Das Essen mutete uns sehr westlich angepasst an. Es gab Fleischspieße, Pommes, Salat und zum Dessert Zimtorangen. Das alles kostete uns 450 Dirham. Abends und Nachts hielten wir in der Gegend Ausschau nach Androctonus mauritanicus. Die Art befindet sich zwar schon äußerst lange im Hobby, aber es ist doch immer wieder interessant etwas zu Habitat und Lebensweise zu erfahren.

Tag 10 - Ein Ausflug an Meer.

Am Morgen, nach einem typischen Frühstück, machten wir uns auf den langen Weg nach Tamri, wobei wir das verstopfte Marrakesh bewusst umfuhren.

Unterwegs hielten wir immer wieder nach Skorpionen Ausschau, aber konnten nur verschiedene Buthus sp. ausmachen. Weil wir ja schlau sind, entschieden uns dann eine Abkürzung über Imouzzar zu nehmen, anstatt den Bogen um das ganze Gebirge zu fahren.

Da ich vor vielen vielen Jahren schonmal da war, hätte mir eigentlich klar sein müssen, wie blöd diese Idee ist, wenn man wirklich Zeit sparen wollte. Es handelte sich um eine absolut grausame Strecke, die sich durch das Gebirge windet und kriecht.


Aber die wahnsinnig schöne Aussicht entschädigte uns am Ende für die Mühsal. So fuhren wir durch das "Vallee de paradis" und auch bei Imouzzar vorbei. Obwohl die Gegend so schwer zu erreichen ist, ist sie eben wegen dieser Schönheit bei Touristen sehr beliebt. Hoch oben lief zu unserer Belustigung sogar eine total verbrannte und erschöpfte Gruppe von Touristen in Sandalen durch die Berge.

In Tamri angekommen suchten wir direkt das einzige Hotel des Ortes auf. Dieses befand sich mitten in der Renovierung und die "Hotelführung" waren aktuell zwei Kinder, aber am Ende bekamen wir dann doch unser Zimmer mit Toilette auf dem Flur. Zu unserer eigenen Erheiterung, sowie Entsetzen, mussten wir uns dort mit der "Arschdusche" neben dem Klo duschen. Bevor wir uns dann am Abend auf die Suche begaben, aßen wir noch einige Schüsseln Suppe mit Linsen, Erbsen, Ei, Bohnen und Rind. Dazu gab es gekochte Eier, Brot und der Tee durfte natürlich auch nicht fehlen! Das ganze Abendessen kostete uns nur 80 Dirham. Später kauften wir uns an einem Stand noch kleine, aber extrem schmackhafte Bananen. Die letzten Tage waren sehr anstrengend und wir beschränkten uns auf eine kurze Nachtsuche, bei der wir nur Buthus sp. fanden. Interessant ist dabei, dass diese Art fast bis an die Küste vorkommt und sich im losen Sand sehr wohl fühlt.

 

Tag 11 - Völlerei!

Wieder einmal machten wir uns ohne Frühstück auf die Reise. Unser Ziel war Agadir, aber wir nutzten die großzügig bemessene Zeit für diese kurze Strecke gut, um uns in der Gegend genauer umzusehen. Carlos´ Erkältung ist auch nicht besser geworden und er wartete meist im Auto, während ich, wie ein Blöder durch den Sand rannte und auf Entdeckungsreise ging.

Ich fand noch einige Buthus sp. zwischen Sand und Muschelschalen. Auch einige Geckos, Skinke und Schlangen fanden sich in der Gegend. Meine Suche führte mich dann im Laufe des Vormittags immer weiter weg vom Strand in Richtung Gebirge.

Interessanterweise wurde dabei die eine Buthus sp. langsam von einer Anderen abgelöst, wobei sie in der Übergangszone sympathrisch leben. Im steinigeren Gebiet konnten wir dann auch einige Androctonus mauritanicus finden. Hierbei unterscheiden sie sich von den Androctonus m. bourdoni aus Tiznit und Androctonus gonneti aus El Ouatia , welche den sandigeren Boden in Küstennähe bevorzugen.

Zwischendurch verschlang ich mit Carlos noch eine halbe Wassermelone zum Frühstück und anschließend machten wir uns auf den Weg entgültig nach Agadir zu unserem Hotel "Anezi Tower".

Dort gegen Mittag angekommen reinigten wir erstmal soweit wie möglich unseren Wagen, sortierten den Müll aus und quartierten uns im Hotel ein. Wir gönnten uns eine schöne heiße Badewanne (Nacheinander, nicht zusammen) und schliefen etwas, bevor es dann zum Abend hin zum üppigen Buffet ging. Endlich mal wieder richtig den Bauch vollschlagen! Den Rest des Abends vebrachte ich mit Postkarten schreiben und einer weiteren Folge Sherlock Holmes.

Tag 12 - Farewell!

Was soll man da noch groß sagen? Es wurde Zeit sich von diesem wunderschönen Land zu verabschieden, ein reichhaltiges Hotelfrühstück zu genießen, das Auto zurück zu geben und sich in den Flieger zu setzen. Marokko, du siehst uns wieder!

Die Habitatbeschreibungen, wie in dem Bericht zu Marokko 2013, kommen in den nächsten Wochen nach und nach hinzu!

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Anfragen für Arten, die nicht auf meiner Abgabeliste sind, kann ich aus Zeitgründen leider nicht beantworten!
Due to lack of time, inquiries for species, which are not in my stocklist, can´t be answered!
 
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